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Luftfahrt in Zeiten von Corona

Verantwortlicher Autor: Lars Kitschke Frankfurt, 15.04.2020, 08:44 Uhr
Presse-Ressort von: Lars Kitschke Bericht 6184x gelesen
Lufthansa Boeing 747
Lufthansa Boeing 747   Bild: Lars Kitschke

Frankfurt [ENA] Es ist rund vier Wochen her, als unser aller Leben eine drastische Wendung erfuhr. Mit dem Einzug des neuartigen Cororna-Virus kam auch für die zivile Luftfahrt ein einschneidenes Ereignis, welches weltweit tausende Flugzeuge am Boden hält. Bilder von geparkten Flotten bestimmen nun das Geschehen.

Wer dieser Tage den Flughafen Frankfurt besucht, der wird vor allem die Ruhe bemerken, welche hier herrscht. Statt rund 55 Flugbewegungen pro Stunde, sind es derzeit eher nur etwas mehr als 100 am Tag. Überall stehen die Flugzeuge der Lufthansa, Condor und Ryanair und warten wieder auf bessere Tage. Als vor rund vier Wochen die meisten Länder der Welt ihre Grenzen schlossen war die Lage sehr viel dynamischer. Konnte man heute noch nach Argentinien fliegen, war es 24 Stunden später schon nicht mehr möglich. Und so wie viele Reisende hierzulande stecken blieben, so traf es auch über 200.000 Deutsche im Ausland. Sie nach Hause zu bringen war nun die wichtigste Aufgabe der Fluggesellschaften.

Und so starteten unsere heimischen Carrier Lufthansa und Condor auch zu Zielen, welche normalerweise nicht im Flugplan stehen. Aber auch ausländische Airlines, allen voran Qatar Airways und die LATAM Group bewegten viel und stampften Sonderflüge aus dem Boden, um Kapazitäten zu schaffen. Bis zu sechs tägliche Flüge aus Doha brachten Menschen aus Asien und Ozeanien nach Frankfurt. Die Lufthansa flog wieder nach Australien und erstmals via Bangkok nach Neuseeland. Darunter waren auch schwierige Flüge, etwa mit Kreuzfahrtpassagieren von Schiffen auf denen es bestätigte Fälle des Virus gab und die zuvor eine tagelange Odyssee hinter sich hatten, da sie kein Hafen anlegen lassen wollte.

Doch auch ausländische Airlines kamen nach Deutschland, nach 21 Jahren landeten wieder Flugzeuge der Air New Zealand in Frankfurt. Es gab Charterflüge spanischer Airlines welche aufgrund bestehender Streckenrechte über die entsprechende Logistik in Südamerika verfügten. Auch aus Afrika kamen Sonderflüge, so z.B. der Ethiopean Airlines, welche im Auftrag des Auswärtigen Amtes Deutsche und andere EU-Bürger aus Zentralafrika ausflog. Mit dem Ende dieser größten Evakuierungsaktion in der deutschen Geschichte wird es nun ein wenig ruhiger an den Flughäfen. Dafür rückt das Frachtgeschäft in den Vordergrund und die Kapazitäten für die Waren in den Passagiermaschinen stehen nicht mehr zur Verfügung.

So müssen nicht nur die Dinge des täglichen Bedarfs transportiert werden, sondern auch in großem Stil Hilfsgüter und medizinisches Material. Große Fluggesellschafften wie United Airlines oder Air Canada beladen ihre Passagiermaschinen nicht nur mit Frachtcontainern im Unterdeck, sondern stapeln die Kartons auf die Sitze. Qatar Airways hat einige Maschinen umgerüstet und die Bestuhlung entfernt und transportierte im letzten Monat 50.000 Tonnen an Hilfsgütern und medizinischer Ausrüstung in die am stärksten betroffenen Gebiete. Das entspricht der Ladung von 500 Flugzeugen des Typs Boeing 777F. Eine besondere Hilfsaktion läuft zur Zeit am Flughafen Frankfurt, wo zwei Transportflugzeuge der Qatar Emiri Air Force Hilfsgüter nach Italien bringen.

Wichtigster hierzulande benötigter Artikel ist neben Schutzkleidung, der Mundschutz. Da jedoch beide Artikel derzeit nicht in erforderlichem Umfang in Deutschland produziert werden können, kommen täglich viele Tausend per Luftfracht aus China. Auch hier kommen exotische Flieger, wie z.B. die Boeing 787 Dreamliner zum Einsatz, welche das dringend benötigte Material aus Shanghai nach Deutschland, Spanien und die Niederlande transportieren. Dieser Zustand wird uns wohl noch einen Weile begleiten und nach der Krise droht dann eine deutliche Bereinigung der Marktstrukturen in der Luftfahrt. Denn nicht nur Lufthansa wird mit einer spürbar verkleinerten Flotte in einigen Wochen bzw. Monaten an den Neustart gehen.

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