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Japans Heeresflieger

Verantwortlicher Autor: Lars Kitschke Akeno, 14.10.2019, 09:12 Uhr
Presse-Ressort von: Lars Kitschke Bericht 4841x gelesen
Die Bell AH-1 Cobra ist seit über vier Jahrzehnten das Rückgrat der Kampfhubschrauber.
Die Bell AH-1 Cobra ist seit über vier Jahrzehnten das Rückgrat der Kampfhubschrauber.  Bild: Lars Kitschke

Akeno [ENA] Wenn man nicht von Freunden "umzingelt" ist, dann ist eine starke Armee kein Luxus, sondern notwendig um die eigenen Interessen und das Staatsgebiet zu sichern. Auf Japans Selbstverteidigungsstreitkräfte trifft dies in vollem Umfang zu. Hier ein Blick hinter die Kulissen von Japans Heeresfliegern.

In den meisten Ländern auf der Welt verfügt nicht nur die Luftwaffe über die Flugzeuge und Hubschrauber, sondern ebenfalls die anderen Truppenteile. So auch in Japan. Gemessen an der Bundeswehr, sind die japanischen Bodenselbstverteidigungsstreitkräfte (JGSDF) sehr groß. Die Truppenstärke liegt seit vielen Jahren bei ca. 150.000 Mann. Zum Vergleich, das deutsche Heer als größte Teilstreikraft umfasst ca. 63.000 Soldaten in Friedenszeiten. So muss auch entsprechend umfangreiches Material vorgehalten werden, was für die Luftbewegliche Komponente bedeutet, dass allein noch über 150 Bell UH-1 im Dienst stehen. Das Rückgrat der Kampfhubschrauber bildet die ebenfalls von Bell entwickelte AH-1 Cobra, der erste reine Kampfhubschrauber der Welt.

Japan ist der derzeit größte ausländische Betreiber der CH-47 Chinook. Neben einigen bei der Luftwaffe, werden die meisten Maschinen dieses Typs bei der 1st Helicopter Brigade in Kisarazu eingesetzt. Neben dem Truppentransport finden sie vor allem im Katastrophenschutz Verwendung. Als mittlerer Transporthubschrauber dient der UH-60 Blackhawk von Sikorsky. Sein Einsatzgebiet befindet sich im Süden des Landes auf den Insel Kyushu und Okinawa. Zur Aufklärung verwendet man in Japan noch immer den OH-6. Der ursprünglich von Hughes Helicopters entwickelten kleine und extre wendigen Hubschrauberhat schon viele Jahre auf dem Buckel und sollte eigentlich längst ausgemustert sein, doch gabe es am Nachfolger OH-1 erhebliche Triebwerksprobleme.

Die Cobra wurde ursprünglich für den Vietnamkrieg entwickelt.
Die Version AH-1S, welche in Japan verwendet wurd, gibt es seit 1980.
Die Maschinen sind trotz ihres Alters in Topzustand.

Der bei Kawasaki entwickelte OH-1 Ninja hatte seinen Erstflug am 06.August 1996. Von der ursprünglich angedachten Beschaffung von 180 Exemplaren mußte man immer weiter abrücken und so sollen nur noch 45 Exemplare gebaut werden. Im Dezember 2015 kam es an einer Ninja zu Triebwerksproblemen während des Fluges und der Hubschrauber machte eine Sicherheitslandung. Bei der anschließenden Prüfung stellte man fest, dass die Triebwerksschaufeln eines Triebwerks zu stark beansprucht waren. Daraufhin wurden die Hubschrauber gegroundet und das Triebwerk wurde drundlegend überarbeitet. Seit März diesen Jahres läuft das Testprogramm wieder an.

Die Fliegerschule der JGSDF verteilt sich über drei Standorte; Akeno in der Präfektur Mie unweit von Nagoya, Kasumigaura in Ibaraki nördlich von Tokyo und Utsunomiya in der Präfektur Tochigi. Auch die Aufgaben sind verteilt auf die drei Standorte. In Utsunomiya findet die Ausbildung des technischen Personals statt, in Kasumigaura ist die Entwicklungs- und Testabteilung angesiedelt und der fliegerische Nachwuchs ist in Akeno. Schon im zweiten Weltkrieg wurde in Akeno geflogen, damals allerdings noch keine Hubschrauber, sondern Flugzeug der kaiserlichen Marine. Die Hubschrauber der JGSDF kamen erst in den 1950´er Jahren hierher. Gegründet wurde die Fliegerschule der japanischen Streitkräfte im Oktober 1952 noch in Hamamatsu.

Ab 1954 gab es eine Schule nur für die JGSDF, welche ihr Training 1955 dann nach Akeno verlagerten. Daneben beheimatet die Base noch einen Einsatzverband, das 5th Antitank Bataillon, welches dem Central Command unterstellt ist und die AH-1S Cobra verwendet. In einem weiteren Hangar befindet sich die Teststaffel für die Erprobung des OH-1 Ninja. Die fliegerische Ausbildung schließt sich unmittelbar an die rund einjährige militärische Basisausbildung an. Der erste Hunschrauber, den die angehenden Piloten fliegen ist der aus den USA stammende Enstrom TH-480B, ein einmotoriger leichter Helikopter mit einem ausgesprochen gutmütigen Flugverhalten. Nach Abschluß der fliegerischen Grundausbildung wechseln die Schüler auf die Hughes OH-6.

Klein und wendig, die Hughes OH-6.
Der Alleskönner unter den Hubschraubern ist die UH-1 auch Huey genannt.
Der Kraftprotz ist der Sikorsky UH-60 Blackhawk, der in Japan in allen Teilstreitkräften eingesetzt wird.

Ist das entsprechende fliegerische Potential vorhanden, wird entschieden für welches weitere Muster sie zugelassen werden. Die Entscheidung darüber obliegt den Fluglehrern und Ausbildern. Nur wer die entsprechenden Fähigkeiten vorweisen kann, erhält eine Einstufung als Pilot 1. Klasse und bekommt die Chance Typen wie die UH-60, die AH-1 oder den AH-64D Apache zu fliegen. Für alle anderen ist bei der Bell UH-1 Schluss. Auch hier gibt es nochmals eine Abstufung zwischen Pilot und Copilot. Dies mag für Außenstehende sicherlich befremdlich anmuten, dient aber der Flugsicherheit und stellt sicher, dass nur die Besten der Besten am Knüppel eines komplexen und modernen Kampfhubschraubers sitzen.

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